Zentrum für Hormonkosmetik

Ein Progesteron für die Haut [1.14]

Haut mit Wassertropfen

Das Gelbkörperhormon Progesteron hemmt die bio­chemischen Scheren, die Matrixmetalloproteinasen; der daraus resultierende kosmetische Effekt – die Anti­faltenwirkung im Gesicht – ist aber nur eine will­kommene Nebenwirkung einer völlig anderen Absicht, die das Gelbkörperhormon mit dieser Faltenhemmung im Schilde führt. Denn während der Schwangerschaft beginnt ein kleiner Muskel - von der Größe einer Birne – derart plötzlich zu wachsen, dass er nach neun Monaten den Rippenbogen berührt, also fast bis zum Herzen reicht. Damit bietet die Gebärmutter dem sich aus­dehnenden Kinde Platz und gewährt ihm Schutz; wiewohl diese Muskelexpansion den weiblichen Körper an physiologische Grenzen bringt. Normalerweise lässt unser Körper ein derartig massives Wachstum nicht zu und schickt sofort biochemische Scheren dorthin, wo ein Muskelpaket zu groß wird. Eigentlich müsste das auch bei der Gebärmutter so sein, die Matrixmetalloproteinasen würden auch tatsächlich die schnelle Größenzunahme der Gebärmuttermuskulatur verhindern, wären sie nicht daran gehemmt – vom Progesteron. Dieses wirkt als „Inhibitor“, als Bremser für die Scheren und gewährt der Gebärmutter­muskulatur das Wachstum. Unmittelbar nach der Geburt sinkt allerdings das Progesteron ab, dadurch werden diese Enzyme enthemmt und – waren sie während der Schwangerschaft völlig unterdrückt –beginnen sie jetzt umso mehr ihre Aktivität und docken dort zunächst an, wo sich im weiblichen Organismus kleine Verletzun­gen finden – nämlich in der Gebärmuttermuskulatur, die durch die Wehentätigkeit und durch die Geburt strapa­ziert wurde. Genau dort entfalten nun die Enzyme ihre Aktivität, das große Muskelpaket, welches während der ganzen Schwangerschaft durch das Progesteron prote­giert war, wird nun durch die enthemmten Enzyme zer­schnitten – die Gebärmutter zerkleinert sich und nimmt nach der Geburt innerhalb weniger Wochen wieder ihre ursprüngliche Größe an. Allerdings schießen auch hier mitunter dieses Scheren über das Ziel und suchen sich im weiblichen Körper weitere Plätze, wo kleine Verletzungen – durch die Geburt – stattfanden. Manchmal ist das im Bereich des Beckenbodens der Fall, im Scheidenbindegewebe, dort wo durch die Geburt das Becken mitunter überdehnt wurde. Die Becken­bodenschwäche ist dann die Folge, welche bis zum Harnverlust führen kann.
Das Progesteron hemmt den Gewebsabbau – auch am Beckenboden. In den Wechseljahren kommt es zu keinem Eisprung, dadurch fehlt das Gelbkörper­hormon Progesteron. Dies erklärt, warum es, vor allem wenn das Beckenbodengewebe vorgeschädigt ist, in und nach der Menopause gehäuft zum Harnverlust und zur Schwäche der Beckenbodenmuskulatur kommt.

Auch unabhängig von der Geburt beeinflusst das Progesteron, über diese biochemischen Scheren, Vor­gänge, welche für die Fortpflanzung wichtig sind. Vor der Menstruation fällt das Progesteron ab, ähn­lich wie das Östrogen, sofern keine Schwangerschaft eintritt. Das absinkende Östrogen ruft Immunzellen auf den Plan, welche für die Abstoßung der Gebärmutter­schleimhaut Vorkehrungen treffen. Auch das Progesteron nimmt – ähnlich wie nach der Geburt – vor der Menstruation ab und entkoppelt damit, wenn keine Schwangerschaft besteht, die bis jetzt in Schach gehalte­nen Matrixmetalloproteinasen. Dies unterstützt den Ablösungsprozess der Gebärmutterschleimhaut, die Scheren schneiden dieses förmlich aus der Gebärmutter heraus; die Menstruation kann beginnen.
Gleiches ereignet sich noch einmal vor der Ovula­tion. Zu diesem Zeitpunkt sinkt ebenfalls das Östrogen und bewirkt eine gesteigerte Immunreaktion, Voraus­setzung für die Öffnung des Eibläschens. Dieses wird letzten Endes von den Matrixmetalloproteinasen besorgt, jenen biochemischen Scheren, die durch einen kurzen präovulatorischen Progesteronabfall (genauer genommen ist es ein Absinken des 17-Hydroxy-Progesterons) enthemmt werden und besagtes Loch in die Eibläschenwand schneiden, durch das die Eizelle entweicht, die Befruchtung kann stattfinden.    ●

 

 

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Jana Nachbagauer
Katharina Neubacher